Donnerstag, 22. März 2007

Epiktet sagt.

Was sagt Epiktet (50-125), Stoiker, in seinem "Handbüchlein der Moral und Unterredungen"? - Vieles. Zum Beispiel dies:
"Bei allem, was die Seele ergötzt oder Nutzen schafft oder dir lieb und wert ist, vergiss nicht, ausdrücklich zu erwägen, welcher Art es sei, und fange beim Geringsten an. Wenn dir ein Topf gefällt, denke: 'Mir gefällt ein Topf.' Zerbricht er dann, so wird es dir nichts ausmachen. Wenn du dein Kind oder deine Frau küsst, so sage dir, dass du einen Menschen küsst. Stirbt er, so wird es dir nichts ausmachen."

Stoiker müsste man sein: Topf oder Mensch - wo ist schon der Unterschied?

Dienstag, 20. März 2007

Vorsilbenrätsel.



verstellen – entstellen
verwirren – entwirren
verstehen – entstehen
(...)
entzweien - ?

Dienstag, 13. Februar 2007

Xing.

Jetzt bin ich auch drin, im Xing. Wozu, weiß ich noch nicht. Muss ich auch nicht. Nichts muss.
Meine Lieblingsfunktion bei Xing: Der Button "Profil als unecht melden".

Donnerstag, 1. Februar 2007

Dann Vanille!

Karlsruhe, Kaiserstraße, Konditorei Böckeler. „So einen Krapfen“, sagt die Frau mit dem Kopftuch, und mit rollendem R zeigt sie auf eine Palette Berliner: die mit dem Zuckerguss und den Mandelplättchen.
„Ist aber mit Alkohol“, sagt die junge Verkäuferin hinter dem Stand, und über ihren hübschen Augen hüpfen die Brauen einmal kurz auf und ab.
„Oh! Und diese da?“
„Mit Vanille.“
„Dann Vanille“, sagt die Frau mit dem Kopftuch, und die Krapfenberaterin wünscht ihr einen schönen Tag. Bestimmt wird sie den haben. Sie wird sich einen Tee kochen, den Vanillekrapfen essen, und vor dem Einschlafen wird sie vielleicht noch ein bisschen im Koran lesen. Oder „Simpsons“ gucken. – Äh, was war noch mal der „Kopftuchstreit“?

Mittwoch, 24. Januar 2007

Neo Logis Mus.

Willkommen bei unserer neuen Reihe "Neo Logis Mus"! Ab sofort wird unser neuer Schirmherr Prof. Dr. Dr. rer. nat. Neo Logi aus dem südöstlichen Nordwesten der Mongolei sein mongolisches Wissenschaftlerauge umherschweifen lassen, immer auf der Suche nach neuen Launen der Natur, die in der Fachliteratur noch nicht beschrieben wurden. Nach uralten Methoden seiner südostnordwestlichen Heimat wird Professor Logi seine Funde analysieren, präparieren und klassifizieren. Dabei ist der polyglotter Globetrotter für jede Anregung von außen dankbar, schließlich geht es um nichts weniger als um das exzellenzgeclusterte, kaltgeschleuderte Mus der Scientific Community!

Und hier Prof. Neo Logis erster Forschungsbeitrag:

"Scientifying"
= das Aufwerten kühner Behauptungen durch fiktive oder auf Bestätigung der Behauptung hin angelegte „Studien“ wissenschaftlicher Anmutung, wobei man sich von der Aura der Wissenschaftlichkeit öffentliche Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit in Bezug auf die eigene Person, das eigene Unternehmen und/oder Produkt erhofft. Einzige Hürde eines erfolgreichen Scientifying besteht im Auffinden eines geneigten „Wissenschaftlers“, der sich zweckmäßigerweise in finanzieller Notlage befindet.

Montag, 22. Januar 2007

Anzeige.

NEU!!! Ab sofort bietet die Agentur Dipolantenne in lockerer Folge Vor- und Nachteile zu relevanten Themen der Zeitgeschichte zum Nulltarif:

dipolantenne

Mitmachen und gewinnen: Wer regelmäßig eigene Vor- und Nachteile einschickt, nimmt automatisch an der Verlosung eines Konsenspakets im Umfang von 3,5 mal 2,5 mal 2 Metern teil!

Montag, 8. Januar 2007

Lifelong learning oder Ingwerhäschens Küchentipp.

Manche Dinge sind so selbstverständlich, dass ihr Leben auf dem Spiel steht. In einer Welt, in der nur ist, worüber man spricht, versuchen gewiefte Schaumschläger seit jeher, durch schicke Benennung der existenzbedrohenden Banalität Herr zu werden.

Die Wissenschaft weiß davon ein Lied zu singen. „Vergleichende Analyse wissenschaftlichen Fachvokabulars im Hinblick auf seinen Nutzen für die Wissenschaft i.U. zum Gebrauchswert für den scientifisch-narzisstischen Dialog“ wäre ein hübsches Thema für eine Doktorarbeit.

Keine Wissenschaft bringt es im Public Foam Whisking (PFW) zu solcher Meisterschaft wie die Psychologie. Natürlich darf jeder reden wie er will, auch Psychologen, und wenn er Formeln wie zum Beispiel „lifelong learning“ erfinden will, dann ist das sein gutes Recht. Schlimm oder sogar gefährlich wird es erst, wenn andere, zum Beispiel Journalisten, die seltsamen Blüten für Orchideen halten und sie in Silbervasen stecken anstatt ihnen das zu gönnen, was sie verdient haben: ein beschauliches Leben auf dem Komposthaufen.

„Lifelong learning“. Das bedeutet: Das eigene Hirn steht einem (in der Regel) ein Leben lang zur Verfügung. Heureka, wer hätte das gedacht! Anlass für gewisse Zweifel an diesem Konzept bieten allenfalls seine Erfinder. Ich bin mir sicher: Sein Überleben verdankt es allein dem Stabreim, der auf Englisch genauso funktioniert wie auf Deutsch. Schließlich ist nicht einzusehen, wieso alle von "lifelong learning" reden, aber keiner von "lifelong breathing", "lifelong sleeping" oder "lifelong eating".



Dies Ingwerhäschen dagegen kündet stumm davon, dass essen und lernen sich in puncto Lebenslänglichkeit in nichts nachstehen und man auch als langjährige Vertraute des Rübengerichts noch Neues lernen kann. Zum Beispiel, dass frischer Ingwer hervorragend zu Möhrengemüse passt. Und dass Möhren besser schmecken, wenn man sie vor dem Kochen in Stiftchen schneidet. Auch wenn man sie das halbe Leben lang in Rädchen geschnitten hat. Man lernt und isst eben immer weiter. Wenn man will, ein Leben lang.