Binse, schenke mir Weisheit!
rief ich insgeheim, nachdem ich zuerst absichtlich auf den Balkon und dann unabsichtlich auf eine im Sterben begriffene Eintagsfliege trat. Da wurde mir auf einmal merkwürdig weise zumute: Die Binse hatte mich erhört, denn sie wisperte mir durchs Laub der Linde, deren Äste mich an der Nase gekitzelt hätten, wäre ich nasenmäßig nur eine Elle besser bestückt:
"Man soll aufhören, wenn's am schönsten ist!" (Sie wisperte tatsächlich mit Apostroph!)
"Ja, liebe Binse", sann ich, "du hast Recht. Alles hat ein Ende, nur die Wu..." Da machte mir ein kluges Täublein auf die Stirn. Ich verstand und trollte mich. Wieder am Schreibtisch, hackte ich feierlich das ENDE VON ELFENBEINTURMSPRINGEN und den ANFANG VON GRIESELFIEBER in die Tasten.
Freitag, 25. Mai 2007
Donnerstag, 19. April 2007
T-Punkt.
Alle schimpfen auf die Telekom. Nicht ich. Ich mag sie. Seit vorhin. Seit ich im T-Punkt war und meinen DSL-Festnetz-Flatrate-Anschluss ummelden ließ und es überhaupt nicht weh getan hat. Aller vorherige T-Punkt-Besuchs-Horror umsonst! Ich musste nur acht Minuten warten, die Frau war freundlich und kaugummikauend, was will man mehr! Auch murrte sie nicht, als ich gestand, kein Freund von Kundenkarten und Bonuspunkten zu sein. Dass ich keinen Gefallen daran finden kann, telekomkundenkartengestützt bei Karstadt und wer weiß wo sonst noch Punkte zu sammeln, dass mich solcherlei Beschäftigungen schlicht langweilen, dafür kann ich nichts, und so schien es auch die Telekomfrau zu sehen, denn sie quittierte meine aus Telekomkundenkartenvermarktungssicht unerfreuliche Antwort lediglich mit einem leicht schnippischen „Es ist IHR Geld. Wenn Sie es nicht wollen...“ Dann schrieb sie alles auf, was ich ihr sagte, weil sie danach fragte, reichte mir den Durchschlag und wünschte mir „viel Glück in der neuen Heimat!“ Gekostet hat der Vorgang nichts, weder Geld noch Punkte noch Nerven. Da schimpfe noch mal einer auf die Telekom! Der kriegt es mit mir zu tun! Der soll auf ewig Punkte sammeln!
Alle schimpfen auf die Telekom. Nicht ich. Ich mag sie. Seit vorhin. Seit ich im T-Punkt war und meinen DSL-Festnetz-Flatrate-Anschluss ummelden ließ und es überhaupt nicht weh getan hat. Aller vorherige T-Punkt-Besuchs-Horror umsonst! Ich musste nur acht Minuten warten, die Frau war freundlich und kaugummikauend, was will man mehr! Auch murrte sie nicht, als ich gestand, kein Freund von Kundenkarten und Bonuspunkten zu sein. Dass ich keinen Gefallen daran finden kann, telekomkundenkartengestützt bei Karstadt und wer weiß wo sonst noch Punkte zu sammeln, dass mich solcherlei Beschäftigungen schlicht langweilen, dafür kann ich nichts, und so schien es auch die Telekomfrau zu sehen, denn sie quittierte meine aus Telekomkundenkartenvermarktungssicht unerfreuliche Antwort lediglich mit einem leicht schnippischen „Es ist IHR Geld. Wenn Sie es nicht wollen...“ Dann schrieb sie alles auf, was ich ihr sagte, weil sie danach fragte, reichte mir den Durchschlag und wünschte mir „viel Glück in der neuen Heimat!“ Gekostet hat der Vorgang nichts, weder Geld noch Punkte noch Nerven. Da schimpfe noch mal einer auf die Telekom! Der kriegt es mit mir zu tun! Der soll auf ewig Punkte sammeln!
Montag, 16. April 2007
Predigen geht immer schief.
Mal wieder sind es die Schriftsteller, die den Blick fürs WESENTLICHE behalten, auch wenn rundum alles kreischt und schreit, blinkt und poppt, Fahnen schwenkt, Fahnen verbrennt, Kopftücher verbietet, Kopftücher befiehlt, Hass predigt, Angst predigt, predigt, predigt... Predigen geht immer schief!
Ian Buruma, niederländisch-britischer Schriftsteller, sagt klug :
"Ob es den Europäern passt oder nicht: Die Muslime sind ein Teil Europas. Es werden sich nicht allzu viele von ihrer Religion abwenden, und deshalb müssen die Europäer lernen, mit ihnen und dem Islam zu leben. Das wird natürlich leichter, wenn die Muslime erkennen, dass das System auch zu ihrem Vorteil arbeitet. Die liberale Demokratie ist mit dem Islam vereinbar. (...) Wirklich beschädigt können die europäischen Werte letztlich nur durch Europas Reaktion auf seine nicht muslimische Mehrheit werden. Angst vor dem Islam und den Immigranten könnte zu einer restriktiven Gesetzgebung führen. Durch die dogmatische Verteidigung der Werte der Aufklärung werden es die Europäer sein, die genau diese Werte aushöhlen."
Eine dogmafreie Zone, ein Ort, wo niemand predigt, weil sich alle vertragen oder umgekehrt, ist der Wochenmarkt am Maybachufer, Berlin-Kreuzberg.

Ist, wo BIO draufsteht, auch BIO drin? Man weiß es nicht, muss vertrauen. Wie immer.

Das ist Egemen. Er wollte unbedingt aufs Bild. Jetzt ist er drauf. Schade, dass er erst nach dem Klick gelacht hat.

Alle Spitzen zeigen nach rechts. Was es da wohl zu sehen gibt?
Mal wieder sind es die Schriftsteller, die den Blick fürs WESENTLICHE behalten, auch wenn rundum alles kreischt und schreit, blinkt und poppt, Fahnen schwenkt, Fahnen verbrennt, Kopftücher verbietet, Kopftücher befiehlt, Hass predigt, Angst predigt, predigt, predigt... Predigen geht immer schief!
Ian Buruma, niederländisch-britischer Schriftsteller, sagt klug :
"Ob es den Europäern passt oder nicht: Die Muslime sind ein Teil Europas. Es werden sich nicht allzu viele von ihrer Religion abwenden, und deshalb müssen die Europäer lernen, mit ihnen und dem Islam zu leben. Das wird natürlich leichter, wenn die Muslime erkennen, dass das System auch zu ihrem Vorteil arbeitet. Die liberale Demokratie ist mit dem Islam vereinbar. (...) Wirklich beschädigt können die europäischen Werte letztlich nur durch Europas Reaktion auf seine nicht muslimische Mehrheit werden. Angst vor dem Islam und den Immigranten könnte zu einer restriktiven Gesetzgebung führen. Durch die dogmatische Verteidigung der Werte der Aufklärung werden es die Europäer sein, die genau diese Werte aushöhlen."
Eine dogmafreie Zone, ein Ort, wo niemand predigt, weil sich alle vertragen oder umgekehrt, ist der Wochenmarkt am Maybachufer, Berlin-Kreuzberg.
Ist, wo BIO draufsteht, auch BIO drin? Man weiß es nicht, muss vertrauen. Wie immer.
Das ist Egemen. Er wollte unbedingt aufs Bild. Jetzt ist er drauf. Schade, dass er erst nach dem Klick gelacht hat.
Alle Spitzen zeigen nach rechts. Was es da wohl zu sehen gibt?
Mittwoch, 4. April 2007
Hat Simmel Recht?
Schafft man es, einen soziologischen Fachtext zu lesen, ohne nach jedem dritten Wort einen Schluck Wasser trinken zu müssen, und verspürt man, am Ende des Textes angelangt, immer noch menschliche Regungen wie etwa Durst, was als Beweis gelten kann, dass man sich während der Lektüre wider Erwarten NICHT in einen Aktenschredder verwandelt hat, dann hat man es höchstwahrscheinlich mit einem Stück Prosa des Philosophen und Soziologen Georg Simmel (1858-1918) zu tun.
In seinem Aufsatz „Die Großstädte und das Geistesleben“ aus dem Jahr 1903 erklärt der Berliner Philosoph mit dem unphilosophischen Namen, wie der moderne Großstadtmensch der bedrohlichen „Steigerung des Nervenlebens, die aus dem raschen und ununterbrochenen Wechsel äußerer und innerer Eindrücke hervorgeht“, begegnet:
Als „Präservativ des subjektiven Lebens gegen die Vergewaltigungen der Großstadt“ dient dem Großstadtmenschen sein Verstand. Der Verstand ist nämlich „das am wenigsten empfindliche, von den Tiefen der Persönlichkeit am weitesten abstehende psychische Organ“, sein Ort sind die „durchsichtigen, bewussten, obersten Schichten unserer Seele“. Vorsichtshalber also spannt der Großstadtmensch zur Reizverarbeitung lediglich den Verstand ein, das Gefühl wird arbeitslos.
Damit einher geht die „Blasiertheit“: eine „Abstumpfung gegen die Unterschiede der Dinge, nicht in dem Sinne, dass sie nicht wahrgenommen würden, wie von dem Stumpfsinnigen, sondern so, dass die Bedeutung und der Wert der Unterschiede der Dinge und damit der Dinge selbst als nichtig empfunden wird.“ – Dem Großstadtmenschen muss alles mehr oder weniger egal sein, zumindest muss er so tun, als ginge ihn im Grunde alles nichts an, berühre ihn allenfalls an der äußeren Hirnrinde, da, wo der Verstand sitzt, mehr nicht.
Liebe Berliner, sagt: Hat Simmel Recht? Seid ihr wirklich allesamt Rechenmaschinen in Menschengestalt? Oder ist alles ganz anders? Und wenn ja: Wie?

Berliner Wal-Plakat: Manchen Großstadtreizen zu widerstehen fällt leichter als Simmel vermuten lässt.
Schafft man es, einen soziologischen Fachtext zu lesen, ohne nach jedem dritten Wort einen Schluck Wasser trinken zu müssen, und verspürt man, am Ende des Textes angelangt, immer noch menschliche Regungen wie etwa Durst, was als Beweis gelten kann, dass man sich während der Lektüre wider Erwarten NICHT in einen Aktenschredder verwandelt hat, dann hat man es höchstwahrscheinlich mit einem Stück Prosa des Philosophen und Soziologen Georg Simmel (1858-1918) zu tun.
In seinem Aufsatz „Die Großstädte und das Geistesleben“ aus dem Jahr 1903 erklärt der Berliner Philosoph mit dem unphilosophischen Namen, wie der moderne Großstadtmensch der bedrohlichen „Steigerung des Nervenlebens, die aus dem raschen und ununterbrochenen Wechsel äußerer und innerer Eindrücke hervorgeht“, begegnet:
Als „Präservativ des subjektiven Lebens gegen die Vergewaltigungen der Großstadt“ dient dem Großstadtmenschen sein Verstand. Der Verstand ist nämlich „das am wenigsten empfindliche, von den Tiefen der Persönlichkeit am weitesten abstehende psychische Organ“, sein Ort sind die „durchsichtigen, bewussten, obersten Schichten unserer Seele“. Vorsichtshalber also spannt der Großstadtmensch zur Reizverarbeitung lediglich den Verstand ein, das Gefühl wird arbeitslos.
Damit einher geht die „Blasiertheit“: eine „Abstumpfung gegen die Unterschiede der Dinge, nicht in dem Sinne, dass sie nicht wahrgenommen würden, wie von dem Stumpfsinnigen, sondern so, dass die Bedeutung und der Wert der Unterschiede der Dinge und damit der Dinge selbst als nichtig empfunden wird.“ – Dem Großstadtmenschen muss alles mehr oder weniger egal sein, zumindest muss er so tun, als ginge ihn im Grunde alles nichts an, berühre ihn allenfalls an der äußeren Hirnrinde, da, wo der Verstand sitzt, mehr nicht.
Liebe Berliner, sagt: Hat Simmel Recht? Seid ihr wirklich allesamt Rechenmaschinen in Menschengestalt? Oder ist alles ganz anders? Und wenn ja: Wie?
Berliner Wal-Plakat: Manchen Großstadtreizen zu widerstehen fällt leichter als Simmel vermuten lässt.
Donnerstag, 22. März 2007
Epiktet sagt.
Was sagt Epiktet (50-125), Stoiker, in seinem "Handbüchlein der Moral und Unterredungen"? - Vieles. Zum Beispiel dies:
"Bei allem, was die Seele ergötzt oder Nutzen schafft oder dir lieb und wert ist, vergiss nicht, ausdrücklich zu erwägen, welcher Art es sei, und fange beim Geringsten an. Wenn dir ein Topf gefällt, denke: 'Mir gefällt ein Topf.' Zerbricht er dann, so wird es dir nichts ausmachen. Wenn du dein Kind oder deine Frau küsst, so sage dir, dass du einen Menschen küsst. Stirbt er, so wird es dir nichts ausmachen."
Stoiker müsste man sein: Topf oder Mensch - wo ist schon der Unterschied?
Was sagt Epiktet (50-125), Stoiker, in seinem "Handbüchlein der Moral und Unterredungen"? - Vieles. Zum Beispiel dies:
"Bei allem, was die Seele ergötzt oder Nutzen schafft oder dir lieb und wert ist, vergiss nicht, ausdrücklich zu erwägen, welcher Art es sei, und fange beim Geringsten an. Wenn dir ein Topf gefällt, denke: 'Mir gefällt ein Topf.' Zerbricht er dann, so wird es dir nichts ausmachen. Wenn du dein Kind oder deine Frau küsst, so sage dir, dass du einen Menschen küsst. Stirbt er, so wird es dir nichts ausmachen."
Stoiker müsste man sein: Topf oder Mensch - wo ist schon der Unterschied?
Dienstag, 13. Februar 2007
Xing.
Jetzt bin ich auch drin, im Xing. Wozu, weiß ich noch nicht. Muss ich auch nicht. Nichts muss.
Meine Lieblingsfunktion bei Xing: Der Button "Profil als unecht melden".
Jetzt bin ich auch drin, im Xing. Wozu, weiß ich noch nicht. Muss ich auch nicht. Nichts muss.
Meine Lieblingsfunktion bei Xing: Der Button "Profil als unecht melden".
Donnerstag, 1. Februar 2007
Dann Vanille!
Karlsruhe, Kaiserstraße, Konditorei Böckeler. „So einen Krapfen“, sagt die Frau mit dem Kopftuch, und mit rollendem R zeigt sie auf eine Palette Berliner: die mit dem Zuckerguss und den Mandelplättchen.
„Ist aber mit Alkohol“, sagt die junge Verkäuferin hinter dem Stand, und über ihren hübschen Augen hüpfen die Brauen einmal kurz auf und ab.
„Oh! Und diese da?“
„Mit Vanille.“
„Dann Vanille“, sagt die Frau mit dem Kopftuch, und die Krapfenberaterin wünscht ihr einen schönen Tag. Bestimmt wird sie den haben. Sie wird sich einen Tee kochen, den Vanillekrapfen essen, und vor dem Einschlafen wird sie vielleicht noch ein bisschen im Koran lesen. Oder „Simpsons“ gucken. – Äh, was war noch mal der „Kopftuchstreit“?
Karlsruhe, Kaiserstraße, Konditorei Böckeler. „So einen Krapfen“, sagt die Frau mit dem Kopftuch, und mit rollendem R zeigt sie auf eine Palette Berliner: die mit dem Zuckerguss und den Mandelplättchen. „Ist aber mit Alkohol“, sagt die junge Verkäuferin hinter dem Stand, und über ihren hübschen Augen hüpfen die Brauen einmal kurz auf und ab.
„Oh! Und diese da?“
„Mit Vanille.“
„Dann Vanille“, sagt die Frau mit dem Kopftuch, und die Krapfenberaterin wünscht ihr einen schönen Tag. Bestimmt wird sie den haben. Sie wird sich einen Tee kochen, den Vanillekrapfen essen, und vor dem Einschlafen wird sie vielleicht noch ein bisschen im Koran lesen. Oder „Simpsons“ gucken. – Äh, was war noch mal der „Kopftuchstreit“?
Mittwoch, 24. Januar 2007
Neo Logis Mus.
Willkommen bei unserer neuen Reihe "Neo Logis Mus"! Ab sofort wird unser neuer Schirmherr Prof. Dr. Dr. rer. nat. Neo Logi aus dem südöstlichen Nordwesten der Mongolei sein mongolisches Wissenschaftlerauge umherschweifen lassen, immer auf der Suche nach neuen Launen der Natur, die in der Fachliteratur noch nicht beschrieben wurden. Nach uralten Methoden seiner südostnordwestlichen Heimat wird Professor Logi seine Funde analysieren, präparieren und klassifizieren. Dabei ist der polyglotter Globetrotter für jede Anregung von außen dankbar, schließlich geht es um nichts weniger als um das exzellenzgeclusterte, kaltgeschleuderte Mus der Scientific Community!
Und hier Prof. Neo Logis erster Forschungsbeitrag:
"Scientifying"
= das Aufwerten kühner Behauptungen durch fiktive oder auf Bestätigung der Behauptung hin angelegte „Studien“ wissenschaftlicher Anmutung, wobei man sich von der Aura der Wissenschaftlichkeit öffentliche Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit in Bezug auf die eigene Person, das eigene Unternehmen und/oder Produkt erhofft. Einzige Hürde eines erfolgreichen Scientifying besteht im Auffinden eines geneigten „Wissenschaftlers“, der sich zweckmäßigerweise in finanzieller Notlage befindet.
Willkommen bei unserer neuen Reihe "Neo Logis Mus"! Ab sofort wird unser neuer Schirmherr Prof. Dr. Dr. rer. nat. Neo Logi aus dem südöstlichen Nordwesten der Mongolei sein mongolisches Wissenschaftlerauge umherschweifen lassen, immer auf der Suche nach neuen Launen der Natur, die in der Fachliteratur noch nicht beschrieben wurden. Nach uralten Methoden seiner südostnordwestlichen Heimat wird Professor Logi seine Funde analysieren, präparieren und klassifizieren. Dabei ist der polyglotter Globetrotter für jede Anregung von außen dankbar, schließlich geht es um nichts weniger als um das exzellenzgeclusterte, kaltgeschleuderte Mus der Scientific Community!Und hier Prof. Neo Logis erster Forschungsbeitrag:
"Scientifying"
= das Aufwerten kühner Behauptungen durch fiktive oder auf Bestätigung der Behauptung hin angelegte „Studien“ wissenschaftlicher Anmutung, wobei man sich von der Aura der Wissenschaftlichkeit öffentliche Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit in Bezug auf die eigene Person, das eigene Unternehmen und/oder Produkt erhofft. Einzige Hürde eines erfolgreichen Scientifying besteht im Auffinden eines geneigten „Wissenschaftlers“, der sich zweckmäßigerweise in finanzieller Notlage befindet.
Montag, 22. Januar 2007
Anzeige.
NEU!!! Ab sofort bietet die Agentur Dipolantenne in lockerer Folge Vor- und Nachteile zu relevanten Themen der Zeitgeschichte zum Nulltarif:
dipolantenne
Mitmachen und gewinnen: Wer regelmäßig eigene Vor- und Nachteile einschickt, nimmt automatisch an der Verlosung eines Konsenspakets im Umfang von 3,5 mal 2,5 mal 2 Metern teil!
NEU!!! Ab sofort bietet die Agentur Dipolantenne in lockerer Folge Vor- und Nachteile zu relevanten Themen der Zeitgeschichte zum Nulltarif:
dipolantenne
Mitmachen und gewinnen: Wer regelmäßig eigene Vor- und Nachteile einschickt, nimmt automatisch an der Verlosung eines Konsenspakets im Umfang von 3,5 mal 2,5 mal 2 Metern teil!
Montag, 8. Januar 2007
Lifelong learning oder Ingwerhäschens Küchentipp.
Manche Dinge sind so selbstverständlich, dass ihr Leben auf dem Spiel steht. In einer Welt, in der nur ist, worüber man spricht, versuchen gewiefte Schaumschläger seit jeher, durch schicke Benennung der existenzbedrohenden Banalität Herr zu werden.
Die Wissenschaft weiß davon ein Lied zu singen. „Vergleichende Analyse wissenschaftlichen Fachvokabulars im Hinblick auf seinen Nutzen für die Wissenschaft i.U. zum Gebrauchswert für den scientifisch-narzisstischen Dialog“ wäre ein hübsches Thema für eine Doktorarbeit.
Keine Wissenschaft bringt es im Public Foam Whisking (PFW) zu solcher Meisterschaft wie die Psychologie. Natürlich darf jeder reden wie er will, auch Psychologen, und wenn er Formeln wie zum Beispiel „lifelong learning“ erfinden will, dann ist das sein gutes Recht. Schlimm oder sogar gefährlich wird es erst, wenn andere, zum Beispiel Journalisten, die seltsamen Blüten für Orchideen halten und sie in Silbervasen stecken anstatt ihnen das zu gönnen, was sie verdient haben: ein beschauliches Leben auf dem Komposthaufen.
„Lifelong learning“. Das bedeutet: Das eigene Hirn steht einem (in der Regel) ein Leben lang zur Verfügung. Heureka, wer hätte das gedacht! Anlass für gewisse Zweifel an diesem Konzept bieten allenfalls seine Erfinder. Ich bin mir sicher: Sein Überleben verdankt es allein dem Stabreim, der auf Englisch genauso funktioniert wie auf Deutsch. Schließlich ist nicht einzusehen, wieso alle von "lifelong learning" reden, aber keiner von "lifelong breathing", "lifelong sleeping" oder "lifelong eating".

Dies Ingwerhäschen dagegen kündet stumm davon, dass essen und lernen sich in puncto Lebenslänglichkeit in nichts nachstehen und man auch als langjährige Vertraute des Rübengerichts noch Neues lernen kann. Zum Beispiel, dass frischer Ingwer hervorragend zu Möhrengemüse passt. Und dass Möhren besser schmecken, wenn man sie vor dem Kochen in Stiftchen schneidet. Auch wenn man sie das halbe Leben lang in Rädchen geschnitten hat. Man lernt und isst eben immer weiter. Wenn man will, ein Leben lang.
Manche Dinge sind so selbstverständlich, dass ihr Leben auf dem Spiel steht. In einer Welt, in der nur ist, worüber man spricht, versuchen gewiefte Schaumschläger seit jeher, durch schicke Benennung der existenzbedrohenden Banalität Herr zu werden.
Die Wissenschaft weiß davon ein Lied zu singen. „Vergleichende Analyse wissenschaftlichen Fachvokabulars im Hinblick auf seinen Nutzen für die Wissenschaft i.U. zum Gebrauchswert für den scientifisch-narzisstischen Dialog“ wäre ein hübsches Thema für eine Doktorarbeit.
Keine Wissenschaft bringt es im Public Foam Whisking (PFW) zu solcher Meisterschaft wie die Psychologie. Natürlich darf jeder reden wie er will, auch Psychologen, und wenn er Formeln wie zum Beispiel „lifelong learning“ erfinden will, dann ist das sein gutes Recht. Schlimm oder sogar gefährlich wird es erst, wenn andere, zum Beispiel Journalisten, die seltsamen Blüten für Orchideen halten und sie in Silbervasen stecken anstatt ihnen das zu gönnen, was sie verdient haben: ein beschauliches Leben auf dem Komposthaufen.
„Lifelong learning“. Das bedeutet: Das eigene Hirn steht einem (in der Regel) ein Leben lang zur Verfügung. Heureka, wer hätte das gedacht! Anlass für gewisse Zweifel an diesem Konzept bieten allenfalls seine Erfinder. Ich bin mir sicher: Sein Überleben verdankt es allein dem Stabreim, der auf Englisch genauso funktioniert wie auf Deutsch. Schließlich ist nicht einzusehen, wieso alle von "lifelong learning" reden, aber keiner von "lifelong breathing", "lifelong sleeping" oder "lifelong eating".

Dies Ingwerhäschen dagegen kündet stumm davon, dass essen und lernen sich in puncto Lebenslänglichkeit in nichts nachstehen und man auch als langjährige Vertraute des Rübengerichts noch Neues lernen kann. Zum Beispiel, dass frischer Ingwer hervorragend zu Möhrengemüse passt. Und dass Möhren besser schmecken, wenn man sie vor dem Kochen in Stiftchen schneidet. Auch wenn man sie das halbe Leben lang in Rädchen geschnitten hat. Man lernt und isst eben immer weiter. Wenn man will, ein Leben lang.
Samstag, 6. Januar 2007
Sternsingers Job.
Drei heilige kleine Könige stehen vor der Klingelplatte eines mehrstöckigen Mietshauses. „Voll geil“, findet der eine irgend etwas (vermutlich Tokyo Hotel oder Ahoj Brause Himbeer oder den Weihrauch), aus der Sprechanlage knarzt es bedenklich. „Sternsinger“, spricht sein Königskumpel gelangweilt ins Lautsprecherraster. Das „Post!“ des Postboten klingt dagegen wie das „Halleluja“ aus Händels Messias. Offenbar ist Sternsinger kein leichter Job. Immer diese Süßigkeiten, die noch mehr kleben als die Küsse von den Omas zu Hause, vor denen man ja gerade flüchtet! Aber that's eben business, und so verschwinden die drei kleinen Könige ziemlich heilig im Treppenhaus.
Drei heilige kleine Könige stehen vor der Klingelplatte eines mehrstöckigen Mietshauses. „Voll geil“, findet der eine irgend etwas (vermutlich Tokyo Hotel oder Ahoj Brause Himbeer oder den Weihrauch), aus der Sprechanlage knarzt es bedenklich. „Sternsinger“, spricht sein Königskumpel gelangweilt ins Lautsprecherraster. Das „Post!“ des Postboten klingt dagegen wie das „Halleluja“ aus Händels Messias. Offenbar ist Sternsinger kein leichter Job. Immer diese Süßigkeiten, die noch mehr kleben als die Küsse von den Omas zu Hause, vor denen man ja gerade flüchtet! Aber that's eben business, und so verschwinden die drei kleinen Könige ziemlich heilig im Treppenhaus.
Mittwoch, 3. Januar 2007
Null null sieben.
Das neue Jahr hat das Zeug zum Bond-Jahr.
Man sollte sich angewöhnen, auf sämtlichen Formularen, Briefen, Urkunden und Fehlanzeigen, die in diesem Jahr mit Datum versehen werden, die Jahreszahl dreistellig abzukürzen. Jedes noch so dröge Amtsformular würde optisch und akustisch aufgewertet und gewänne im Handumdrehen an Schlagkraft und Würde. Ein Hartz-IV-Antrag etwa - an sich ein nicht eben erbauliches Stück Papier - müsste sich nicht mehr unter Bergen von Ja!-Schokoladenpapier, vollgeschnieftem Zellstoff und leeren Zigarettenschachteln verstecken, denn die Männlichkeit und Kraft und Stärke der hoch sprengkräftigen Jahreszahl färbte umgehend auf den Antragsteller ab, was nicht heißen soll, dass die ungeliebte Hilfe vom Staat herbeigeballert werden sollte. Das nun doch nicht.
Auch Tütensuppe, Margerine und Knäckebrot, von denen sich unser fiktiver Antragsteller fortan ernähren muss, würde die 007-Prägung hinter dem "Mindestens haltbar bis" gut zu Gesichte stehen, und der Antragsteller würde nach Hause kommen, die Suppe nach einem dreifachen Salto über der Herdplatte mit den Zähnen aufreißen, den Inhalt ins siedende Wasser kippen und dabei den John Travolta machen.
Nachrichten von echten Kriegen bekämen dank der neuen Datumsanzeige etwas beruhigend Fiktives. Und überall da, wo Zeit im öffentlichen Raum auf LED-Anzeigen glimmt, spürte man den Geschmack von Martini auf der Zunge, egal ob gerührt oder geschüttelt.
Vorausgesetzt, man ist diesmal bei den Verfolgungsjagden nicht wieder eingeschlafen und findet Geräteturnen auf der Leinwand nicht langweilig.
Das neue Jahr hat das Zeug zum Bond-Jahr. Man sollte sich angewöhnen, auf sämtlichen Formularen, Briefen, Urkunden und Fehlanzeigen, die in diesem Jahr mit Datum versehen werden, die Jahreszahl dreistellig abzukürzen. Jedes noch so dröge Amtsformular würde optisch und akustisch aufgewertet und gewänne im Handumdrehen an Schlagkraft und Würde. Ein Hartz-IV-Antrag etwa - an sich ein nicht eben erbauliches Stück Papier - müsste sich nicht mehr unter Bergen von Ja!-Schokoladenpapier, vollgeschnieftem Zellstoff und leeren Zigarettenschachteln verstecken, denn die Männlichkeit und Kraft und Stärke der hoch sprengkräftigen Jahreszahl färbte umgehend auf den Antragsteller ab, was nicht heißen soll, dass die ungeliebte Hilfe vom Staat herbeigeballert werden sollte. Das nun doch nicht.
Auch Tütensuppe, Margerine und Knäckebrot, von denen sich unser fiktiver Antragsteller fortan ernähren muss, würde die 007-Prägung hinter dem "Mindestens haltbar bis" gut zu Gesichte stehen, und der Antragsteller würde nach Hause kommen, die Suppe nach einem dreifachen Salto über der Herdplatte mit den Zähnen aufreißen, den Inhalt ins siedende Wasser kippen und dabei den John Travolta machen.
Nachrichten von echten Kriegen bekämen dank der neuen Datumsanzeige etwas beruhigend Fiktives. Und überall da, wo Zeit im öffentlichen Raum auf LED-Anzeigen glimmt, spürte man den Geschmack von Martini auf der Zunge, egal ob gerührt oder geschüttelt.
Vorausgesetzt, man ist diesmal bei den Verfolgungsjagden nicht wieder eingeschlafen und findet Geräteturnen auf der Leinwand nicht langweilig.
Dienstag, 21. November 2006
Zitat des Tages.
Das Zitat des Tages ist von gestern. In der Süddeutschen Zeitung stand's, zwischen diversen anderen Sätzen, ganz am Rand, aber an was für einem! Am linken nämlich, auf Seite Eins, also da, wo seit jeher das "Streiflicht" seinen Platz hat, nie versiegender Quell des Wahren im Falschen, Guten im Bösen und Schönen im Hässlichen:
"Für jede kleine Verrücktheit und jede große Sehnsucht gibt es einen besten Platz, und da muss man hin, sonst kann man nicht zufrieden in die Grube fahrn"
(Streiflicht, SZ vom 20. November 2006)
Das Zitat des Tages ist von gestern. In der Süddeutschen Zeitung stand's, zwischen diversen anderen Sätzen, ganz am Rand, aber an was für einem! Am linken nämlich, auf Seite Eins, also da, wo seit jeher das "Streiflicht" seinen Platz hat, nie versiegender Quell des Wahren im Falschen, Guten im Bösen und Schönen im Hässlichen:
"Für jede kleine Verrücktheit und jede große Sehnsucht gibt es einen besten Platz, und da muss man hin, sonst kann man nicht zufrieden in die Grube fahrn"
(Streiflicht, SZ vom 20. November 2006)
Samstag, 21. Oktober 2006
Plädoyer fürs Nicht-Wissen.
„Ich weiß nicht, was das ist“, sagt der Mann und macht eine ausholende Geste. Vor ihm: eine verrätselte Stahlkonstruktion, ein überdimensionaler Rahmen, der sich weiter hinten im Kleinen wiederholt und schließlich den Blick freigibt auf Karlswiese und Marmorbad. Hinter ihm: ein Pärchen. Die Stadt: Kassel. Der Ort: neben der dokumenta-Halle.
Der Satz und die Geste wirken in ihrer Gegensätzlichkeit eigentümlich anziehend. Das offene Bekenntnis zur Unwissenheit und die schwungvolle Fremdenführer-Armbewegung in Richtung Kunstwerk zeugen, zusammen genommen, von einer Großzügigkeit, die umso beeindruckender ist, als sie nichts will. Sie will nicht imponieren, sie ist einfach da. Genauso gut hätte der Mann das stählerne Rätsel ignorieren und stattdessen auf die Landschaft verweisen können. „Hier unten seht ihr das Marmorbad und dort hinten die Orangerie“, hätte er zum Beispiel sagen können. Aber was hätte es gebracht? Der Besuch hätte vermutlich stumpfen Blickes genickt und die Namen schon im nächsten Moment vergessen.
Stattdessen hat der Mann - „Ich weiß nicht, was das ist“ - die Leute eingeladen, sich ihrer Unwissenheit nicht nur zu stellen, sondern sie regelrecht zu genießen. Die Folge: Fragezeichen auf den Gesichtern. Neugier. Rätsel. Begehen des Kunstwerks. Betrachten von allen Seiten. Vermutungen. Ahnungen. Nachdenken. Lachen.
Ich wette, die Besucher werden sich noch lange an den Moment erinnern. Nicht OBWOHL, sondern WEIL sie nicht wussten, "was das ist".
Ich behaupte: Was für die Kunst gilt, gilt erst recht fürs Leben. Und weiter: Würde man den „Ich weiß nicht, was das ist“-Satz nur öfter hören - die Welt wäre eine andere. Die Entscheider und Entscheiderinnen würden ab und zu innehalten und FRAGEN, statt am Fließband Antworten zu produzieren, Antworten, die meist nicht der Erkenntnis, sondern anderen Interessen dienen – Kostensenkung und Wählervertrauen, an erster Stelle aber Verbergen von Unsicherheit. Keine Chance zu wachsen, höchstens als Luftblase. Pessimistische Sicht: Mit heißer Luft aufgeblähtes Selbstbewusstsein regiert die Welt. Optimistische: Theoretisch reicht ein Nadelstich, und die Blase platzt.
Die Gruppe mit dem sokratischen Anführer ist verschwunden. Ein Mann setzt sich einen Steinblock weiter neben mich. Zündet sich eine Zigarette an. Deutet auf die Stahlkonstruktion. Fragt: „Was ist das?“ – „Ich weiß nicht“, sage ich. - „Aber es soll doch etwas bedeuten“, bohrt der Mann weiter. – „Ja“, sage ich, „man muss eben überlegen“. – „Sie sind nicht von hier?“ wird nun kombiniert. - „Nein“, sage ich, „ich kenne mich wirklich überhaupt nicht aus“. Der Mann zieht an seiner Zigarette, steht auf und würdigt den Rahmen mit dem Ausschnitt Welt keines Blickes.
„Ich weiß nicht, was das ist“, sagt der Mann und macht eine ausholende Geste. Vor ihm: eine verrätselte Stahlkonstruktion, ein überdimensionaler Rahmen, der sich weiter hinten im Kleinen wiederholt und schließlich den Blick freigibt auf Karlswiese und Marmorbad. Hinter ihm: ein Pärchen. Die Stadt: Kassel. Der Ort: neben der dokumenta-Halle.Der Satz und die Geste wirken in ihrer Gegensätzlichkeit eigentümlich anziehend. Das offene Bekenntnis zur Unwissenheit und die schwungvolle Fremdenführer-Armbewegung in Richtung Kunstwerk zeugen, zusammen genommen, von einer Großzügigkeit, die umso beeindruckender ist, als sie nichts will. Sie will nicht imponieren, sie ist einfach da. Genauso gut hätte der Mann das stählerne Rätsel ignorieren und stattdessen auf die Landschaft verweisen können. „Hier unten seht ihr das Marmorbad und dort hinten die Orangerie“, hätte er zum Beispiel sagen können. Aber was hätte es gebracht? Der Besuch hätte vermutlich stumpfen Blickes genickt und die Namen schon im nächsten Moment vergessen.
Stattdessen hat der Mann - „Ich weiß nicht, was das ist“ - die Leute eingeladen, sich ihrer Unwissenheit nicht nur zu stellen, sondern sie regelrecht zu genießen. Die Folge: Fragezeichen auf den Gesichtern. Neugier. Rätsel. Begehen des Kunstwerks. Betrachten von allen Seiten. Vermutungen. Ahnungen. Nachdenken. Lachen.
Ich wette, die Besucher werden sich noch lange an den Moment erinnern. Nicht OBWOHL, sondern WEIL sie nicht wussten, "was das ist".
Ich behaupte: Was für die Kunst gilt, gilt erst recht fürs Leben. Und weiter: Würde man den „Ich weiß nicht, was das ist“-Satz nur öfter hören - die Welt wäre eine andere. Die Entscheider und Entscheiderinnen würden ab und zu innehalten und FRAGEN, statt am Fließband Antworten zu produzieren, Antworten, die meist nicht der Erkenntnis, sondern anderen Interessen dienen – Kostensenkung und Wählervertrauen, an erster Stelle aber Verbergen von Unsicherheit. Keine Chance zu wachsen, höchstens als Luftblase. Pessimistische Sicht: Mit heißer Luft aufgeblähtes Selbstbewusstsein regiert die Welt. Optimistische: Theoretisch reicht ein Nadelstich, und die Blase platzt.
Die Gruppe mit dem sokratischen Anführer ist verschwunden. Ein Mann setzt sich einen Steinblock weiter neben mich. Zündet sich eine Zigarette an. Deutet auf die Stahlkonstruktion. Fragt: „Was ist das?“ – „Ich weiß nicht“, sage ich. - „Aber es soll doch etwas bedeuten“, bohrt der Mann weiter. – „Ja“, sage ich, „man muss eben überlegen“. – „Sie sind nicht von hier?“ wird nun kombiniert. - „Nein“, sage ich, „ich kenne mich wirklich überhaupt nicht aus“. Der Mann zieht an seiner Zigarette, steht auf und würdigt den Rahmen mit dem Ausschnitt Welt keines Blickes.
Freitag, 15. September 2006
Weiße mit Schuss.
Aus der Hauptstadt erreicht mich folgendes Wahlplakat:

Nach längerem Überlegen bin ich zum vorläufigen Schluss gekommen, dass die "Berliner Weißen" die Nazis sein sollen - die eben einen Schuss haben. Klingelingeling! Hat aber gedauert. Eigentlich dauert's immer noch. Zuerst dachte ich, die Jusos seien "die Weißen" (in Anlehnung an die Weiße Rose oder was weiß ich), die von hinten auf die Nazis schießen. "Konsequent gegen Rechts" eben. Aber das wäre dann wohl doch ein bisschen zu konsequent.
Aus der Hauptstadt erreicht mich folgendes Wahlplakat:

Nach längerem Überlegen bin ich zum vorläufigen Schluss gekommen, dass die "Berliner Weißen" die Nazis sein sollen - die eben einen Schuss haben. Klingelingeling! Hat aber gedauert. Eigentlich dauert's immer noch. Zuerst dachte ich, die Jusos seien "die Weißen" (in Anlehnung an die Weiße Rose oder was weiß ich), die von hinten auf die Nazis schießen. "Konsequent gegen Rechts" eben. Aber das wäre dann wohl doch ein bisschen zu konsequent.
Donnerstag, 14. September 2006
Zeit verlieren mit Jochen Schmidt.
Jochen Schmidt ist einer der Schriftsteller aus der Chaussee der Enthusiasten, die sich jeden Donnerstag im Berliner RAW-Tempel sehr kurzweilig präsentiert. Außerdem ist er Proust-Leser. Jeden Tag zwanzig Seiten. In seinem eigens für seine Proust-Lektüre eingerichteten Proust-Blog kann man sich davon lesend ein Bild machen. Man liest, wie er liest. Folgt man Jochen Schmidt, der Marcel Proust folgt, der wiederum der verlorenen Zeit auf den Fersen ist, verliert man unmerklich die Zeit, die man hinterher sucht, weswegen die Suche eigentlich nie aufhört. Es sei denn, man guckt Fußball.
Jochen Schmidt ist einer der Schriftsteller aus der Chaussee der Enthusiasten, die sich jeden Donnerstag im Berliner RAW-Tempel sehr kurzweilig präsentiert. Außerdem ist er Proust-Leser. Jeden Tag zwanzig Seiten. In seinem eigens für seine Proust-Lektüre eingerichteten Proust-Blog kann man sich davon lesend ein Bild machen. Man liest, wie er liest. Folgt man Jochen Schmidt, der Marcel Proust folgt, der wiederum der verlorenen Zeit auf den Fersen ist, verliert man unmerklich die Zeit, die man hinterher sucht, weswegen die Suche eigentlich nie aufhört. Es sei denn, man guckt Fußball.
Sonntag, 10. September 2006
Rosenrabatt.
Den heutigen Tag hat irgendwer zum "Tag des offenen Denkmals" erklärt. Und weil so ein Tag ohne einen hieb- und stichfesten Themenschwerpunkt mit Motto und allem Drum und Dran nach außen hin diffus wirken würde, widmet man sich dieses Jahr historischen Gärten. Motto: „Rasen, Rosen und Rabatten".
Der alliterativ den Gaumen hinabrollende Dreiklang auf R ist zweifellos ein Ohrenschmaus und verdient allerhöchsten Respekt. Findet Herr Öttinger aber nicht. Auf der Homepage des Landes Baden Württemberg hat man einfach den Gürtel enger geschnallt - zugunsten eines weniger Zeichen verbrauchenden und von der Message her versachlichten Slogans: "Rasen, Rosen und Rabatte". Die Sinnverschiebung vom Nutzlos-Floralen zum Wirtschaftlich-Profitablen harmoniert natürlich mit dem allgemeinen Spirit aus schaffe, noch mal schaffe und Häusle baue. Keine Rabatten ohne Rabatte! Aber in feierlich blühende Landschaften versteckte Aufrufe zum Knausern einzustreuen, geht dann doch zu weit!
Den heutigen Tag hat irgendwer zum "Tag des offenen Denkmals" erklärt. Und weil so ein Tag ohne einen hieb- und stichfesten Themenschwerpunkt mit Motto und allem Drum und Dran nach außen hin diffus wirken würde, widmet man sich dieses Jahr historischen Gärten. Motto: „Rasen, Rosen und Rabatten". Der alliterativ den Gaumen hinabrollende Dreiklang auf R ist zweifellos ein Ohrenschmaus und verdient allerhöchsten Respekt. Findet Herr Öttinger aber nicht. Auf der Homepage des Landes Baden Württemberg hat man einfach den Gürtel enger geschnallt - zugunsten eines weniger Zeichen verbrauchenden und von der Message her versachlichten Slogans: "Rasen, Rosen und Rabatte". Die Sinnverschiebung vom Nutzlos-Floralen zum Wirtschaftlich-Profitablen harmoniert natürlich mit dem allgemeinen Spirit aus schaffe, noch mal schaffe und Häusle baue. Keine Rabatten ohne Rabatte! Aber in feierlich blühende Landschaften versteckte Aufrufe zum Knausern einzustreuen, geht dann doch zu weit!
Montag, 7. August 2006
Zwischenmiete: Berlinbalkon.
Pandoria ist vorübergehend umgezogen. Sie wohnt jetzt in Berlin. Zumindest im August. Den Blog hat sie natürlich mitgenommen. Er heißt jetzt nur anders. Zumindest im August.
Hier geht's zum "berlinbalkon".
Pandoria ist vorübergehend umgezogen. Sie wohnt jetzt in Berlin. Zumindest im August. Den Blog hat sie natürlich mitgenommen. Er heißt jetzt nur anders. Zumindest im August.
Hier geht's zum "berlinbalkon".
Dienstag, 1. August 2006
Kleen heißt jetzt Bondorf!
Soeben erreicht mich folgende Nachricht: Meine Freundin Tini, Lesern dieses Blögchens auch bekannt als treu und beinahe einzig kommentierende und höchst lesenswert bloggende “tinifeliz“, hat im Zuge ihrer kürzlichen VERMÄHLUNG ihren Zunamen geändert! Hierauf einen dreifachen Tusch! - -
=> Kleen heißt jetzt Bondorf. Sonst ändert sich ...
... das Klingelschild
... das Assoziationsfeld (Immer dachte ich: Welch hübscher Kontrast zwischen der Hochgewachsenheit ihrer Gestalt bzw. ihres Geistes und ihrem Familiennamen „Kleen“! Was nicht heißen soll, dass „Bondorf“ nicht ebenfalls ganz wunderbare Gedankenspiralen in Gang setzt. Diese Mischung aus aristokratischer Frankophilie und ruraler Bodenständigkeit... Sogleich puzzelt sich ein Bild von im Weizenfeld tafelnden französischen Intellektuellen zusammen, die sich gegenseitig kleine Würfel weichen Camemberts – „très, très bon!“ in den Mund stecken, während im Hintergrund das kleine Dorf langsam im Schlaf versinkt)
... die E-Mailadresse, zumindest die bei der Arbeit
... das akustische Schmankerl der Alliteration in den Initialien (KB hat dafür irgendwie was von Haute Couture...)
... der Grad der Seriosität (Im Direktvergleich „Kleen“-„Bondorf“ schneidet Bondorf eindeutig besser ab, was klangliche Ernsthaftigkeit angeht. Aber hoffentlich nur klangliche!)
... und sicher noch viel, viel mehr.
Es freut sich mit Bondorfs diebisch und tanzt um den Tisch:
Pandorijani
Soeben erreicht mich folgende Nachricht: Meine Freundin Tini, Lesern dieses Blögchens auch bekannt als treu und beinahe einzig kommentierende und höchst lesenswert bloggende “tinifeliz“, hat im Zuge ihrer kürzlichen VERMÄHLUNG ihren Zunamen geändert! Hierauf einen dreifachen Tusch! - -
=> Kleen heißt jetzt Bondorf. Sonst ändert sich ...
... das Klingelschild
... das Assoziationsfeld (Immer dachte ich: Welch hübscher Kontrast zwischen der Hochgewachsenheit ihrer Gestalt bzw. ihres Geistes und ihrem Familiennamen „Kleen“! Was nicht heißen soll, dass „Bondorf“ nicht ebenfalls ganz wunderbare Gedankenspiralen in Gang setzt. Diese Mischung aus aristokratischer Frankophilie und ruraler Bodenständigkeit... Sogleich puzzelt sich ein Bild von im Weizenfeld tafelnden französischen Intellektuellen zusammen, die sich gegenseitig kleine Würfel weichen Camemberts – „très, très bon!“ in den Mund stecken, während im Hintergrund das kleine Dorf langsam im Schlaf versinkt)
... die E-Mailadresse, zumindest die bei der Arbeit
... das akustische Schmankerl der Alliteration in den Initialien (KB hat dafür irgendwie was von Haute Couture...)
... der Grad der Seriosität (Im Direktvergleich „Kleen“-„Bondorf“ schneidet Bondorf eindeutig besser ab, was klangliche Ernsthaftigkeit angeht. Aber hoffentlich nur klangliche!)
... und sicher noch viel, viel mehr.
Es freut sich mit Bondorfs diebisch und tanzt um den Tisch:
Pandorijani
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